Interview zum Jahresende 2018


Thomas_Darchinger_Kult122018

Der Schauspieler Thomas Darchinger blickt auf das Jahr 2018
Herr Darchinger, das Jahr 2018 lief ziemlich gut für Sie, stimmts?
Ja, sehr gut eigentlich. Meine Agentin war ein bisschen unzufrieden, weil ich zu wenig Zeit zum Drehen hatte, aber sonst war es ziemlich gut. Mein Solo-Theaterstück kommt sehr gut an, meine musikalisch begleitete Lesung, die ja auch eine Demokratiekampagne ist, ist enorm erfolgreich, mit meiner eigenen Initiative “Gut, Mensch!” sind wir in einer Top-Location, haben spitzen Gesprächsgäste und ich habe das Gefühl, ein kleines bisschen kann ich mit meinen Sachen etwas bewegen, für die Welt. Ein wirklich kleines bisschen nur, aber immerhin.
Na dann fragen wir doch gleich Mal, wie lief das Jahr 2018 für die Welt aus Ihrer Sicht?
Ich finde es großartig, dass sich wieder viele Menschen für die Mitgestaltung der Gesellschaft interessieren. Es gibt Demos, unzählige Initiativen. Da sind fantastische Sachen dabei, die einem sehr viel Hoffnung geben können. Ich denke, nach wie vor, wir Menschen haben es drauf. Aber, ja leider aber, fürchte ich, die Kapitalmärkte und die Groß-Industrien haben sich inzwischen so verselbstständigt, dass wir die als Bürger und besonders als Konsumenten nicht mehr einfangen können. Müssen wir aber. Ohne ein radikales Umdenken in der Wirtschaft, ohne einen Systemwandel in der Gesellschaft fahren wir die Lebensbedingungen für den Menschen auf der Erde an die Wand. Und das geht inzwischen so rasant schnell, dass wir auch rasant schnell handeln müssen. Die Politik braucht dazu eine klare Botschaft von der Straße: Wir wollen den Wandel. Zieht ihn durch, jetzt. Die Politik wird massiven Gegenwind von den derzeit etablierten starken Kräften bekommen. Das können die nur anpacken, wenn sie sich eines Rückhalts durch die Bevölkerung sicher sind.
Wie meinen Sie das?
Es wird einschneidende Änderungen geben müssen. Das wird natürlich als Allererstes genau die Märkte betreffen, die bisher rücksichtslos ihrer Profitgier gefrönt haben. Wir machen uns oft aus Bequemlichkeit und Gewohnheit ein viel zu unscharfes Bild davon, wie die Dinge wirklich laufen. Ich bin weder Kommunist noch jemand, der sich an Bahngleise kettet, noch jemand der an Verschwörungstheorien glaubt. Ich halte mich für einigermaßen bodenständig von der Denke her. Aber wir müssen die Augen aufmachen. Die Profitgier der ganz Großen legt mit einem fast unwirklich erscheinenden Tempo eine Zerstörung der Balance in der Natur an den Tag, dass wir sehr dringend, sehr konsequent die Kurve kriegen müssen. Wir wollen doch, dass unsere Enkel auch noch hier leben können. Und zwar nicht nur in wenigen verbliebenen Reservaten, die habitabel geblieben sind, sondern doch bitte überall. Wir können doch nicht einfach zulassen, dass beispielsweise Hamburg und alles Küstennahe im gestiegenen Meer versinkt. Nur um Mal ein Bild zu bringen, was wirklich auf uns zukommt.
Sie haben sich als Künstler programmatisch sehr klar aufgestellt. Respekt.
Ja, danke. Aber ging einfach nicht mehr anders. Ich will meine künstlerische Kraft möglichst sinnvoll einsetzen. Ich kann nicht noch 30 Mal den Mörder in einem x-beliebigen Krimi-Format spielen und nichts weiter tun. Schauen Sie, meine Arbeit ist ja nicht uninteressanter geworden. Im Gegenteil. So wie es jetzt ist, erfüllt es mich total. Ich spiele tolle Rollen, die für mich wirklich Sinn machen. Klar, ich versuche, meinen vollen Terminkalender im nächsten Jahr so zu optimieren, dass ich auch wieder drehen kann. Schließlich gibt es ja auch tolle Filme, bei denen ich gerne dabei wäre.
Wie finden Sie denn die TV- und Kinoproduktionen, die zur Zeit so in Deutschland entstehen?
Also da sind Sachen dabei, die sind unglaublich gut. Mit einer Mischung aus Anspruch, auch an den Inhalt, und trotzdem extrem guter Unterhaltung. Das haben wir ja lange Zeit nicht so besonders hinbekommen. Aber da wächst eine neue Generation nach, die mir sehr viel Hoffnung macht. Mit denen möchte ich unbedingt arbeiten. Und es gibt auch fantastische junge Kolleginnen und Kollegen. Einige von denen sind mit Anfang Mitte zwanzig schon so weit, so weit war ich damals lange nicht. Das ist toll. Diese starken Erzählformate, die jetzt kommen, da fühle ich mich Zuhause. Auf die hab ich lange warten müssen. Jetzt will ich sie auch machen!
Weil sie schon die jungen Kollegen erwähnen. Haben sie Tipps für die parat?
Nö, die wissen sehr genau was sie tun, scheint mir. Nicht abheben, hart arbeiten, Spaß bei der Sache haben, Vertrauen schenken und annehmen, kreativ alle Räume suchen und ausschöpfen. Kein netter, handwerklicher Erfüllungsgehilfe für die Branche sein, sondern ein eigener kreativer, freier Kopf. Muß ich denen aber nicht sagen, das wissen die wie gesagt schon.
Dann wünschen wir Ihnen doch ein erfolgreiches Jahr 2019!
Danke!
Haben Sie selbst noch Wünsche für das kommende Jahr?
Ich wünsche der Welt Entschlossenheit und ein gutes Miteinander. Wir müssen alle, auch die Leute in der Politik besser darin werden, die Vielfalt als Geschenk zu sehen. Als Schatztruhe. Lebendiger Austausch von Ideen für die besten Lösungen. Keine lächerlichen Hickhack- Shows mehr! Kein Hauptsache ich gewinne. Auch nicht in Talkshows. Dann sind wir schon einen Riesen Schritt weiter.